Florian springt schon wieder!

Florian war ein kleiner Spatz und hatte eine riesige Familie. Er hatte Mama, Papa, Omas, Opas, viele Schwestern und Brüder und noch viel mehr Tanten, Onkeln, Cousinen und Cousins. Er konnte sie zwar nicht mehr zählen, aber er kannte jeden einzelnen von ihnen, und alle kannten ihn.

Während untertags jeder Spatz machte, was er wollte, traf sich allabendlich die gesamte Sippe und flog zum Swimmingpool von Herrn Schmid, den dieser im Frühjahr in seinen Garten eingelassen hatte. Das Wasser war nur durch einen schmalen Ablauf und eine wenige Zentimeter hohe Brüstung vom gepflegten Rasen getrennt. Perfekt für Spatzen, um sich darauf niederzulassen und zu trinken.

Das war vielleicht jeden Abend ein fröhliches Treiben und ein Lärmen, das Herrn Schmid nicht störte. Im Gegenteil: Gerne setzte er sich in seinen Stuhl am Rande des Pools und schaute den Vögeln zu. Ein paar miesepetrige Kolkraben schauten ebenfalls regelmäßig vorbei und zwei kleine, flotte Schwalben tranken kunstvoll im Flug.

Jeder der Spatzen-Familie beherrschte die Kunst, geschwind und in hohem Tempo anzufliegen und auf den Punkt genau zu landen. Außer Florian, denn der plumpste wirklich jedes Mal ins Wasser.

Alle lachten über den komischen Tollpatsch.

Natürlich machte das Florian sehr traurig, denn weder Mensch noch Spatz werden gerne ausgelacht – und schon gar nicht, wenn sie sich dumm anstellen. Eines Abends aber gelang dem kleinen Spatzen ein sehr kunstvoller Bauchklatscher mit einem anschließenden Purzelbaum und zwei Drehungen um die eigene Achse. Darüber lachten die anderen Vögel nicht, vielmehr staunten sie Meisen-Klötze und einige klatschten sogar.

Darüber wiederum war Florian verwundert. Als er aber merkte, dass ihn die anderen Spatzen nicht veräppelten, sondern ihr Staunen und ihre Bewunderung echt waren, flog er hoch, drehte eine Runde, kam zurück – und versuchte einen zweiten Bauchklatscher, diesmal mit einem Salto, der ihm zwar noch nicht richtig gelang, aber bei seinen Zuschauern wieder Beifall hervorrief.

Jetzt war Florian so richtig in Fahrt: Immer wieder flog er den Pool an und probierte eine Figur nach der anderen aus. Nicht nur die Spatzen waren begeistert, auch Herr Schmid erhob sich aus seinem Stuhl und staunte darüber, was der kleine Vogel anstellte. Noch an diesem Abend musste Florian immer wieder eine neue Zugabe geben – an den darauffolgenden Tagen wurde die Schar seiner Fans immer größer. Und alle riefen ihren Freunden und allen Tieren, denen sie begegneten, zu: „Kommt zum Pool, das müsst ihr sehen.“

Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt: Florian wurde ein Star, heiratete die hübscheste aller Spatzendamen und bekam viele, viele Spatzenkinder, die mit ihm gemeinsam Bauchklatscher übten.

Und die Moral? Man darf ruhig dämlich aussehen, solange man ein Publikum hat, das zusieht.

c/o Bernhard Krebs

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