Doch nur anderthalb Jahre

Eine bundesdeutsche Statistik: Während hierzulande Frauen durchschnittlich 75,7 Jahre alt werden, bringen es die Männer nur auf 69,8. Zugegeben, allein diese Tatsache lässt Raum für Spekulationen, mich interessiert heute aber eine andere Frage: Wie nutzt der Mann die Zeit, die ihm gegeben ist? Die Antwort ist sehr einfach: Er wartet auf seine Frau. Vollständig bekleidet, im Mantel, geht der Mann zur Haustür, die Schlüssel in der Hand und gedanklich bereits im Auto. „Wart` mal kurz!“ Ein kleiner Satz nur, drei kurze Wörter. Der Zuruf aus dem Schlafzimmer klingt harmlos. Dennoch trifft er den Mann wie ein Blitz. Denn: Trotz gegenteiliger Bekundungen, fertig zu sein, ist seine Frau genau das nicht. Die Wahl der Schuhe wurde noch nicht getroffen, das „kurz“ dauert schließlich über eine Viertelstunde, in der Mann einfach nur dumm an der Tür steht. „Einen Moment bitte!“ Der Mann hat gerade die schwere Kommode aus dem Wohnzimmer in den Partykeller geschleppt – just in dem Moment, in dem er das schwere Teil in der Ecke abstellen will, eilt seine Frau mit Staubtuch und Putzeimer herbei. Minutenlang schwebt die Kommode einen halben Meter über dem Boden. Gewiss, unter und hinter dem Möbelstück wird’s blitzblank sauber, aber rechtfertigt dies einen Bandscheibenvorfall? „Wart` mal kurz!“ Es gibt tagtäglich unzählige Gelegenheiten, in denen der Mann zum Warten verdammt ist und dabei leidvoll erfährt, dass die Begrifflichkeit „mal kurz“ von den Geschlechtern grundsätzlich und elementar verschieden definiert wird. Eine bundesdeutsche Rechnung: Der durchschnittliche Mann, der das Glück hat, auf eine Frau warten zu dürfen, tut dies mindestens 20 Minuten am Tag. Das sind im Jahr 7.300 Minuten oder über 121 Stunden. Abzüglich der Kindheit und Pubertät (wobei er bei Letzterem noch viel länger wartet, aber aus anderen Gründen) sind das rund 6.300 Stunden oder 525 Tage oder 75 Wochen. Ein Mann wartet also in seinem Leben durchschnittlich anderthalb Jahre auf eine Frau. Wenn man allerdings bedenkt, was er mit der restlichen Zeit anfängt, ist das vielleicht auch ganz gut so.   c/o Bernhard Krebs